Der Weihnachtsmann im Interview

Wie verteilt man Millionen Geschenke an einem Abend? Und was hat Coca Cola mit dem Weihnachtsmann zu tun? Wir haben das Logistik-Genie vom Nordpol auf ein Gespräch getroffen.

Cynthia Ruttkowski Geschrieben von Cynthia Ruttkowski
am 15.12.2014 | 5 Minuten Lesezeit
Der Weihnachts im Interview

Jedes Jahr kommt der Weihnachtsmann und bringt den Kindern Geschenke und Süßigkeiten. Hat er sein Tagewerk verrichtet, verschwindet er wieder in der Kälte, aus der er kam – still, verhalten und oftmals ungesehen. Und noch während ihn die Kinder wehmütig verabschieden und ihm mit leuchtenden Augen hinterherschauen, fragen sich die Erwachsenen: Wer ist dieser rotbemantelte Typ?

Wir haben den Weihnachtsmann auf ein kurzes Interview getroffen und mit über Kaminschächte, Alter Egos und seinen Modefimmel im 19. Jahrhundert gesprochen.

Erzähl uns doch erst mal ein Bisschen was darüber, warum es dich überhaupt gibt. Es hält sich ja so ein hartnäckiges Gerücht, dass Coca Cola dich erfunden hat...

Das hätten die gern. Mich gibt es aber schon sehr viel länger. Und auch mein rot-weißes Outfit ist älter, als dieser Brause-Verein. Ich muss ja zugeben, dass Coca Cola mir seit den 1920er Jahren zu mehr Popularität verholfen hat, vor allem als Werbefigur. Einer ihrer Werbegrafiker hat 1931 ein Zeichnung von mir angefertigt, auf der ich so aussehe, wie man mich heute kennt: Mit roter Jacke und Hose, weißem Rauschebart, rotbäckig und leicht adipös. Diese Werbegrafik hat dann das moderne und mittlerweile stereotype Bild von mir geprägt. Es gibt aber ganz alte Postkarten aus dem 19. Jahrhundert, die zeigen, dass ich schon vor mehr als hundert Jahren in diesem roten Outfit unterwegs war. Aber damals war ich modisch noch experimentierfreudiger und habe viele verschiedene Looks und Farben ausprobiert: Mal in braunem, dann in grünem oder blauen Gewand, mal im klassischen Zweiteiler, mal nur mit bodenlangem Mantel. Da bin ich schon ziemlich mit der Mode gegangen und immer was Neues ausprobiert. Und auch bei den Kopfbedeckungen und Accessoires habe ich variiert: Von Mitra-ähnlichen Kopfbedeckungen bis hin zur Bommelmütze war fast alles dabei.

Das mit der Mitra hat übrigens Gründe, denn auch ich bin nicht aus dem Nichts entstanden. Meine Figur geht auf den heiligen Nikolaus von Myra zurück. Den gab es wirklich. Er lebte im 3./4. Jahrhundert nach Christus und war Bischof. Heute ist er ein sehr bedeutender Heiliger der Kirche. Es ranken sich viele Legenden um ihn. Er soll sich zeitlebens vor allem für Kinder eingesetzt haben. Deswegen wird ihm jedes Jahr am 6. Dezember, seinem Todestag, gedacht. Dann bringt er den braven und guten Kindern Geschenke. Überall dort, wo der Niki nicht kommt, habe ich den Job übernommen.

Weihnachtsmann, Santa Claus, Väterchen Frost – sind das alles Alter Egos von Dir?

Das kann man so sagen. Ich bin ja global tätig, und jedes Land hat seine eigenen Traditionen, Bräuche und Vorlieben. Und denen passe ich mich an. Nicht überall auf der Welt kennt man mich daher als Weihnachtsmann. In den USA nennen mich die Kinder Santa Claus oder eben nur Santa. Ursprünglich haben niederländische Auswanderer das Sinterklaasfest nach Amerika gebracht. Über die Jahre verbreitete sich das Fest im ganzen Land. Und wenn der eine dem anderen was erzählt, dann ist das ein bisschen wie Stille Post spielen: Sinterklaas hieß plötzlich Saint Claus und dann Santa Claus. Wer weiß, wie man mich in zweihundert Jahren nennen wird?

In Russland habe ich einen ganz anderen Namen: Deduschka Moros. Das heißt so viel wie „Väterchen Frost“. Und hier trage ich auch keinen roten, sondern einen blauen Mantel und helfe mit meinem magischen Eis-Zepter dem Winter auf die Sprünge. Die Geschenke bringe ich zusammen mit meiner Enkelin Schneeflöckchen zu den Kindern. Übrigens komme ich in Russland nicht am Heiligabend, sondern in der Neujahrsnacht.

Und was ist mit Knecht Ruprecht und dem Christkind?

Ja, die kenne ich, die sind ja auch in meiner Branche, da läuft man sich schon mal über den Weg. Der Knecht Ruprecht ist der Gehilfe vom heiligen Nikolaus, also quasi sein Sidekick. Wenn er mit Niki unterwegs ist, macht er ziemlich einen auf üblen Burschen – das ist ja auch sein Job -, aber eigentlich ist er ganz nett.

Das Christkind macht den gleichen Job wie ich, hauptsächlich in der Schweiz, Österreich und Ungarn. In Deutschland kennt man es auch. Die Nürnberger haben ihren berühmten Weihnachtsmarkt nach ihm bekannt.

Kommst Du wirklich durch den Kamin? Wir wollen Dir ja nicht zu nahe treten, aber...

Ja ja ja, ich weiß – ich sehe nicht so aus, als ob ich durch einen Kamin passen würde. Wie oft ich das schon gehört habe. Die Amerikaner finden´s aber toll, wenn ich mich durch ihre Kaminschächte quetsche, obwohl die völlig verrußt sind. Naja, man tut alles, damit sich die Leute freuen. Ich nehme aber eigentlich lieber den konventionellen Weg durch die Haus- oder Wohnungstür, manchmal auch durch das Fenster.

Das ist in Deutschland und Russland ganz entspannt. Da komm ich einfach von draußen vom Walde her, den Sack mit Geschenken auf dem Rücken, stapfe durch den Schnee und werde in die guten Stuben gebeten. Einfach lässig. Bei den Amerikanern muss ich ja immer alles heimlich machen und darauf achten, dass man mich bloß nicht sieht, wenn ich die Geschenke unter den Baum lege. Was allerdings gar nicht so leicht ist, wenn man mit einem riesigen Zwölfspänner unterwegs ist...

Ziemlich entspannt ist meine Anreise auch in den Niederlanden. Dort komme ich mit einem Dampfschiff aus Spanien angefahren, in Begleitung von Zwarte Piet. Diese Abwechslung ist schon toll. Mir wird nie langweilig in meinem Job.

Das leuchtet ein. Wie schaffst Du die ganze Arbeit überhaupt alleine?

Na ja, ganz alleine bin ich ja nicht. Wie gesagt, an viele Orten der Welt kennt man mich ja überhaupt nicht. Und in vielen Gegenden machen der heilige Nikolaus und das Christkind meinen Job. Das verkleinert das Gebiet, in dem ich Geschenke ausliefern muss, erheblich. Und die Zeitverschiebung spielt mir auch in die Hände. Früher sind ja ein paar Leute mit der Concorde um die Welt geflogen, um mehrmals Silvester zu feiern. So ähnlich könnt Ihr Euch das bei mir vorstellen, nur ist mein Schlitten fünf mal schneller als dieser Überschall-Vogel. Aber es ist trotzdem immer ganz schön stressig.

Wohnst Du eigentlich wirklich am Nordpol?

Die Skandinavier glauben ja, dass ich in Lappland wohne, während die Russen meinen, ich hätte mich irgendwo in der tiefsten Taiga niedergelassen. Und die Schweizer sind der Ansicht, ich wäre im Schwarzwald wohnhaft. Ganz unrecht haben sie alle nicht, doch mein Hauptwohnsitz ist der Nordpol. Ich verrate aber nicht, wo genau. Ein bisschen Privatsphäre muss sein.

Ich habe aber eine Postadresse, über die ihr mich erreichen könnt, um mir eure Wunschzettel zu schicken:

An den Weihnachtsmann
Weihnachtspostfiliale
16798 Himmelpfort

Warum hast auch Du jetzt ein Experten-Profil bei uns?

Also nicht, um wettbewerbsfähig zu bleiben, ich bin ja sozusagen konkurrenzlos. Trotzdem interessiert mich die Meinung der Kinder und Erwachsenen, schließlich trage ich einen nicht unwesentlichen Teil dazu bei, dass sie sich auf Weihnachten freuen.

Und, was glaubst Du, wie Dein Feedback ausfallen wird?

Natürlich sehr gut – hoffe ich. Spekulieren bringt da nicht viel. Aber ich weiß, was ich und meine Jungs jedes Jahr leisten. Also kann das Feedback gar nicht so schlecht werden. Wenn der ganze Trubel dieses Jahr vorbei ist, und wieder etwas Ruhe am Nordpol eingekehrt ist, dann werde ich mich mit meinem Tablet an den Kamin setzen, Kekse essen und mir in Ruhe mein Profil und meine Bewertungen anschauen.

UPDATE vom 8.12.2015: Weihnachtsmann, schön Dich wieder zu sehen! Seit unserem letzten Gespräch ist jetzt ein Jahr vergangen. Wie ist denn das Feedback für die letzte Bescherung ausgefallen?

Hab' mich tierisch gefreut über das Feedback – vor allem das Lob für meinen spitzen Wagen, beziehungsweise die „Ren(n)tier Power“, macht mich stolz. Aber ich sag's gleich vorweg: Fünf Sterne habe ich in der Gesamtbewertung nicht bekommen. Nach 24 Stunden durchrasen, in Kamine quetschen und Geschenke verteilen, war das ein kleiner Stich ins Herz. Aber ich kann verstehen, wenn Leute meine Zurückhaltung kritisieren. Ich kann eben nicht mit jedem meiner Bewunderer quatschen – dafür reicht allein die Zeit nicht. Und ganz unter uns: Manchmal fällt mir das falsche Geschenk aus dem Sack. Nobody's perfect.

Und was können wir dieses Jahr von Dir erwarten?

Jetzt bin ich natürlich ambitioniert dieses Jahr ganze fünf Sterne beim Online-Feedback zu bekommen. Meine Jungs wollten mich diesen Sommer sogar in einen Zumba-Kurs schleppen, um meine Kondition zu trainieren. Ich bin aber der festen Überzeugung, dass mich die ganzen Weihnachtsleckereien nur noch stärker machen.

Dann wünschen wir dir viel Glück bei der zweiten Feedback-Runde. Vielen Dank für das Update, frohes Schaffen - und falls wir uns nicht mehr sehen - einen guten Rutsch!

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Cynthia Ruttkowski

Über die Autorin

Cynthia Ruttkowski ist Marketing / Social Media Managerin bei ProvenExpert und spezialisiert auf Social Web. Ihr zweites Wohnzimmer ist ihr Heimstudio – hier sucht sie nach dem perfekten Sound.

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